@ugenblicke 01 – Selbstmanagement – Erreichbarkeit und Abgrenzung

Besitzen Sie ein Telefon mit Anrufbeantworter und vielleicht ein Fax? Ein Mobiltelefon, einen PC – und womöglich einen Laptop?
Alles tolle Erfindungen, keine Frage, und doch: Haben Sie nicht auch schon mal geflucht, weil die Arbeit Sie oder Ihre/n Partner/in an die unmöglichsten Orte verfolgt hat?

Am häufigsten fallen uns Menschen auf, die telefonieren – im Gehen oder Laufen, im Restaurant, im Zug, auf der Toilette, im Bett… 

Wenn Sie zu diesen gehören und Sie sich damit wohl fühlen und die Akzeptanz Ihrer Umgebung genießen: herzlichen Glückwunsch – Sie brauchen auch nicht weiter zu lesen.

  • Für die anderen stellt sich die Frage: Warum glauben wir zunehmend, überall und immerzu erreichbar sein zu müssen?
  • Erhöht das unsere Bedeutung – und wenn ja, für wen?
  • Was können wir womöglich verpassen – und mit welchen Folgen?
  • Verringert dieses „immer + überall“ unsere Einsamkeit?
  • Was passiert mit unseren persönlichen Beziehungen, wenn uns die Arbeit ständig dazwischen funken kann?

Bitte verstehen Sie mich richtig: Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schnell sich diese technischen Neuerungen ganz selbstverständlich in unser Leben einfügen – scheinbar. Denn ganz unbemerkt wächst unsere Abhängigkeit von diesen Geräten und ihren Möglichkeiten ins Unermessliche, ohne dass wir uns bewusst sind, welche Gefahren das mit sich bringt:

  • es gibt keine Ungestörtheit mehr
  • das Abschalten fehlt – auch im wörtlichen Sinne
  • die Konzentration aufs Hier und Jetzt nimmt ab

So kenne ich mittlerweile viele Leute, die ihr Mobiltelefon ganz selbstverständlich immer bei sich führen – und auch dran gehen, egal ob sie gerade mit Freunden beim Essen sitzen, spazieren gehen oder auch an einer beruflichen Besprechung zu einem anderen Thema teilnehmen…

Wenn Sie mit sich im Hinblick auf „immer + überall“ unzufrieden sind, können Sie folgendes versuchen:

1. Teilen Sie Ihre Tage in Zonen ein:
a. „Im Dienst“ und damit möglichst non-stop erreichbar
b. „in Bereitschaft“, also z.B. über Mailbox erreichbar mit dem Anspruch auf Rückmeldung
c. „außer Dienst“, nicht oder nur im Notfall – was immer das heißt – er-reichbar (Feierabend, Wochenende, Urlaub?!?)

2. Überlegen Sie, was genau an diesen Ihren Erreichbarkeits-Zonen Sie so stört, dass Sie tatsächlich etwas ändern möchten.

3. Seien Sie absolut ehrlich zu sich selbst, denn Sie werden nur etwas ändern, wenn es Ihnen wirklich wichtig ist.

4. Welchen kleinen Schritt können Sie gehen, um eine erste Grenze zu zie-hen?

5. Welche ablehnenden Reaktionen Ihrer Umwelt (Vorgesetzte, KollegInnen, MitarbeiterInnen) erwarten Sie – und

6. wie können Sie damit umgehen?

7. Machen Sie sich eine Erinnerungs-Notiz in Ihren Kalender, um zu über-prüfen, wie erfolgreich Sie waren – und wo Sie eventuell noch nacharbeiten möchten.

Wenn Sie sich intensiver mit dieser Thematik auseinander setzen möchten, empfehle ich Ihnen das Buch

Gordon, Gil: „Turn It Off – How to Unplug from the Anytime-Anywhere Office Without Disconnecting Your Career“
Nicholas Brealey Publishing London 2001.

Die deutsche Übersetzung heißt:

„Die Freiheit nehm’ ich mir“
verlag moderne industrie 2002, 224 Seiten, € 15,90.

Na dann: Gutes Gelingen – wenn nicht jetzt, wann dann?

Herzliche Grüße

Ihre Jutta Nather